Lizenzentscheidung als Hiobsbotschaft für den SC Austria Lustenau

Der Senat der Bundesliga erteilt der Austria für die kommende Saison in erster Instanz keine Lizenz für die erste österreichische Bundesliga. Grund dafür sei der nicht ausreichende Fortschritt beim Stadionneubau. (Text: Aussendung SC Austria Lustenau)

Man darf nicht vergessen, dass an der Lizenzvergabe nicht nur die Profiabteilung hängt. Auch unsere Nachwuchsabteilung wird davon beeinflusst.

Bernd Bösch

Nach Einschätzung der zuständigen Organe sei die Umsetzung nicht ausreichend gesichert. Für den Senat habe sich zu wenig getan und dies obwohl die Baueingabe in Kürze erfolgen wird. Damit aber nicht genug. Aufgrund des fehlenden Stadions mit Bundesligatauglichkeit erhält die Austria keinen Lizenzbonus für das heurige Jahr. Auch im Budget für die kommende Saison geht die Bundesliga davon aus, dass der Verein keinen Lizenzbonus bekommen wird. Dadurch entstehen Lücken im Budget, die nicht ohne weiteres geschlossen werden können. Insgesamt verliert die Austria 460.000 Euro.

Dieses Loch im Budget hat den Senat auch dazu veranlasst, die Zulassung für die 2. Liga in erster Instanz nicht zu erteilen. Dies trifft den Verein unverschuldet, weil in den letzten zwei Jahren gut gewirtschaftet wurde. Im Vorjahr konnte die Austria einen Gewinn erzielen, für die heurige Saison ist trotz der coronabedingten Einbußen nur ein kleiner Verlust prognostiziert. 

 

Gremien irritiert

„Wir sind natürlich irritiert über diese Entscheidung der zuständigen Gremien. Der SC Austria Lustenau muss jetzt innerhalb von acht Tagen nachweisen, dass sich der Verein trotz dieses Einnahmenausfalls finanziell über Wasser halten kann. Das wird nicht leicht, aber Geschäftsführung und Vorstand werden in den nächsten Tagen mit Hochdruck daran arbeiten, dass wir die notwendigen Sicherheiten aufbringen können“, erklärt Bernd Bösch, Vorstandssprecher der Austria. „Wir gehen davon aus, dass uns Land und Gemeinde in dieser von uns unverschuldet schwierigen Situation nicht hängen lassen“.

Der SC Austria Lustenau wird gegen die Entscheidung des Senats Protest einlegen und parallel weitere Möglichkeiten prüfen, den Stadionprojektfortschritt und die Bundesligatauglichkeit in einem Etappenbauplan nachzuweisen, um die Lizenz doch noch zu erhalten. Das Bauprojekt „Reichshofstadion NEU“ befindet sich zwei Monate hinter dem Bauzeitplan. Die vorliegenden detaillierter Bau- und Projektpläne sowie die bereits getätigten Investitionen von mehr als 1 Million Euro haben nicht mehr ausgereicht, um den Senat zu einer Ausnahmegenehmigung zu bewegen. „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Zeitplan nicht viel Spielraum zulässt. Dennoch hätten wir aufgrund der anhaltenden Pandemie erwartet, dass der zuständige Senat für diese Verzögerung Verständnis aufbringt“, erklärt Geschäftsführer Vincent Baur.

„Um unseren Betrieb aufrecht zu erhalten, brauchen wir jetzt ein klares Bekenntnis von Seiten des Landes und der Gemeinde, das Stadion bundesligatauglich zu machen. Neben den bereits getätigten Zusagen sind auch schriftliche und bindende Unterlagen notwendig und vor allem müssen Taten folgen“, betont Bernd Bösch.

Durch die fehlende Lizenz ist der gesamte Spielbetrieb des Vereines in Gefahr. „Man darf nicht vergessen, dass an der Lizenzvergabe nicht nur die Profiabteilung hängt. Auch unsere Nachwuchsabteilung wird davon beeinflusst. Wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass über 300 Nachwuchskicker sich im schlimmsten Fall einen neuen Verein suchen müssen“, verdeutlicht Bösch. Denn ein Schritt in den Amateurbereich würde den Verein zu massiven Änderungen und Einschnitten zwingen, die auch die Nachwuchsarbeit einschneidend verändern würden.



Hintergrund „Ausnahmegenehmigung Stadion“

Bis 2019 konnten Vereine, deren Stadion nicht bundesligatauglich ist, für den Fall des Aufstiegs bei der Lizenzierung ein „Ausweichstadion“ angeben. Im Falle des Nichtaufstiegs konnte die Austria ihre Heimspiele weiterhin im Reichshofstadion abhalten. Seit 2019 gibt es keine Möglichkeit mehr, ein Ausweichstadion anzugeben und jeder Club muss für die Lizenzierung ein Heimstadion mit Bundesligatauglichkeit nachweisen. Das bedeutet, wenn die Austria erneut Altach als Ausweichstadion angegeben hätte, wäre der Verein auch verpflichtet gewesen, in Altach zu spielen – sowohl in der 1. als auch in der 2. Liga. Und zwar so lange, bis das Reichshofstadion fertig umgebaut ist.

2020 konnte der SC Austria Lustenau einen Antrag über „Ausnahmen von A-Kriterien der Stadionbestimmungen für die höchste Spielklasse bei nachgewiesenem Neubau“ stellen. Dieser wurde genehmigt, für die fehlende Flutlicht-Leuchtstärke und das Fassungsvermögen (Sitzplätze) erhielt die Austria aufgrund der weit fortgeschrittenen Planungen für den Neubau eine zusätzliche Ausnahmereglung. Für die diesjährige Entscheidung konnte aus Sicht des zuständigen Senates aber kein ausreichender Nachweis erbracht werden, dass das Stadion innerhalb der vorgesehenen Frist – also im Jahr 2023 – fertiggestellt sein wird.

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