Zoran Barisic: "Der Didi hat sich das einfach verdient"

SK Rapid-Geschäftsführer Sport Zoran Barisic spricht im großen 90minuten.at-Exklusivinterview über die gegenwärtige sportliche Lage, die Vertragsverlängerung von Didi Kühbauer, die Kaderplanung und die "Mission 33".

Nach 22 Runden gibt es zehn Endspiele. Egal, welches Spiel man sich letztes Jahr angesehen hat, waren das keine Leckerbissen. Mir geht die Fairness verloren

Barisic den aktuellen Ligamodus

An oberster Stelle steht für Christoph Peschek und mich, dass wir Rapid durch die Krise führen. Ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen.

Barisic über Kaderplanung in Zeiten von Corona

+ + 90minuten.at-Exklusv - das Gespräch führte Georg Sander + +

 

Beim SK Rapid ist immer etwas los, egal zu welcher Jahreszeit. Bis vor kurzem war sehr viel in Ordnung, denn bis zum Altach-Spiel gab es Spekulationen, ob man Serienmeister Red Bull Salzburg näher kommen könnte. Ein 0:0 im Ländle und eine bittere 4:2-Niederlage gegen die Bullen später sieht die Sachlage anders aus (>> Salzburger Gegenpressing erdrückt Rapid [Spiel-Analyse]). 90minuten.at hat Geschäftsführer Sport Zoran Barisic zum ausführlichen Interview gebeten und er klärt über die gegenwärtige sportliche Situation aus Sicht der Hütteldorfer auf.

Im Interview stellt er klar, dass Trainer Dietmar Kühbauer auch 2021/22 auf der Bank sitzen wird, gibt Einblicke in die Kaderplanung und die Zukunft, auch hinsichtlich der Performance von Rapid II. Im Hinblick auf den ersten Titel seit 2008 hat der Sportchef eine klare Meinung und muss die Fans bitten, Geduld zu haben.

90minuten.at: Rapid hat am Sonntag die nächste empfindliche Niederlage gegen Red Bull Salzburg einstecken müssen. Wie bilanzieren Sie?

Zoran Barisic: Wir haben hochverdient 4:2 verloren. Das war ernüchternd. Es ist wichtig, das Spiel zu analysieren, ehrlich sich selbst gegenüber zu sein und die richtigen Schlüsse zu ziehen, welchen Verbesserungsbedarf es in den künftigen Spielen gegen Salzburg gibt.

 

90minuten.at: Nach einer halben Stunde gab es eine 50/50-Entscheidung, in dem Fall gegen Fountas bzw. Rapid. Das Endergebnis ist bekannt, aber mir kam vor, dass etwa gegen den LASK mehr Feuer da war als gegen Salzburg.

Barisic: Das eine ist die Szene beim Stand von 0:0, da wurde das Tor eben nicht gegeben. Das dürfen wir nicht als Ausrede hernehmen. Wenn man das ganze Spiel betrachtet, das muss man zugeben, waren sie in allen Belangen besser – mit und gegen den Ball. Es hat bei uns nicht viel zusammengepasst. Wenn man gegen sie erfolgreich sein will, braucht man den nötigen Mut, die Energie und die Ausstrahlung, das haben wir als Team vermissen lassen. Das war für alle enttäuschend, weil wir uns viel mehr vorgenommen haben. Das stimmt uns klarerweise nachdenklich, aber wir müssen es nach der Analyse abhaken. Das macht eine Spitzenmannschaft aus. Salzburg hat gegen Villarreal hochverdient verloren und ein paar Tage später haben sie so eine Leistung abrufen können.

 

90minuten.at: Die LASK-DNA hat man entschlüsselt, gegen den nicht unähnlich agierenden WAC geht es auch – ist es auch eine mentale Geschichte, wenn man im letzten Jahr zwei Mal überdeutlich verloren hat?

Barisic: Man könnte meinen, dass Rapid eine Salzburg-Phobie hat, genauso wie der LASK eine Rapid-Phobie hat. Das wäre mir aber zu einfach. Salzburg ist spielerisch die stärkste Mannschaft in Österreich, unabhängig davon, wie der Spielstil angelegt ist. Vielleicht hat man den LASK entschlüsselt, das ist möglich und zeigt sich in den Resultaten, umgekehrt haben wir Salzburg noch nicht entschlüsselt. Ich würde es aber nicht überbewerten, weil die Duelle mit den Linzern waren stets auf des Messers Schneide. Das war spielerisch nicht unbedingt ein Leckerbissen, es war zweikampfbetont, aber es war schon so, dass wir mit einer anderen Energie aufgetreten sind, das gab Vorteile, die wir gegen Red Bull Salzburg nicht haben. Man muss sich auf diese Spiele freuen und mit einer Einstellung ins Spiel geht, es unbedingt gewinnen zu wollen und mindestens alles zu geben, jeder Spieler, die ganze Mannschaft. Wenn das passiert und man ist nah dran, kann man den nächsten Step machen.

90minuten.at: Rapid verfolgt einen anderen fußballerischen Ansatz als die genannten. Wo steht das Team ihrer Meinung nach gegenwärtig? Eine Beobachtung ist, dass die Effizienz nicht so hoch ist, dann spielt man gegen zehn Altacher 0:0.

Barisic: Es war zunächst ganz wichtig, die defensive Stabilität herbeizuführen, als ich kam. Damals wurde Rapid Siebter, wir haben die Mannschaft komplett umgekrempelt. Der nächste Schritt war, dass das Zusammenspiel funktionieren, aber auch defensiv stabil steht und schnell nach vorne umschalten. Der Vizemeistertitel ist dem Team sehr hoch anzurechnen, wenn man die Probleme wie Ausfälle und Verletzungen bedenkt. Dass die Balance in der Offensive auch manchmal flöten geht, passiert. Der nächste Step war, dass wir einige wichtige Stützen verloren haben, Corona war logischerweise auch ein Rieseneinschnitt. Dann haben wir uns im Offensivspiel verbessert, wollten dominant auftreten und flexibel agiert. Das haben wir hervorragend hinbekommen. Natürlich gab es auch Phasen, in denen es kurzfristig nicht gut gegangen ist. Jetzt sind wir ins Jahr 2021 gut rein gestartet, dann kam das Altach-Spiel. Wir hatten 22 Torschüsse und da tut es weh, wenn man nicht mit drei Punkten nachhause fliegt. Bis dahin war die Entwicklung sehr gut, jetzt haben wir in Salzburg ein schlechtes Spiel gehabt, nun geht es darum, schnell wieder in die Spur zu finden. Der nächste Schritt wird sein, das zu festigen. Nach 22 Runden gibt es zehn Endspiele. Egal, welches Spiel man sich letztes Jahr angesehen hat, waren das keine Leckerbissen. Da muss man jedes Spiel wie ein Finalspiel betrachten.

 

90minuten.at: Das heißt, gegenwärtig geht es um die Verbesserung in den Ballbesitzphasen bzw. der Effizienz, aber nach der 22 Runde sind es nur noch KO-Spiele, wo es nur ums Ergebnis geht?

Barisic: Nein, nein. Aber mit dem neuen Meisterschaftsmodus ist es schon so, dass man nach der Punkteteilung nicht mehr so das Risiko eingeht, junge Spieler vermehrt einzusetzen. Es geht nur um Punkte und die Tabelle. Da wird es darauf ankommen, wer die wenigsten Verletzungen hat, wer von Corona verschont bleibt. Es ist schwierig, da etwas weiterzuentwickeln. Aber ich würde nicht sagen, dass man nur bis zur 22. Runde entwickeln darf. Ich finde nur den Modus etwas komisch, weil es die Winterpause gibt, dann gibt es im Normalfall noch vier Spiele Grunddurchgang. Da kann der eine oder andere Verein, der finanziell gut dasteht, noch etwas nachjustieren kann. Mir geht die Fairness verloren, aber Spannend ist das Format für die Fans!

 

(Das Interview wird unterhalb fortgesetzt)

90minuten.at: Das wurde auch kritisiert. Offen ist derzeit noch die Vertragsverlängerung mit Trainer Didi Kühbauer. Woran hakt es derzeit? Die Rapid-Community ist ja auch kritisch, nicht alle sind sich sicher – auch 90minuten.at – dass er der richtige für den nächsten Step ist. Wird es einen Dreijahresvertrag geben?

Barisic: In Zeiten wie diesen ist das schwierig. Am wichtigsten ist aber, dass wir mit ihm verlängern wollen. Der Didi hat sich das einfach verdient. Wenn man bedenkt, wie die Mannschaft war, als er sie übernommen hat, wie der Werdegang war. Er hat mitgeholfen, Rapid aus der Krise zu führen. Die Krise ist aber noch nicht überstanden und bis jetzt hat er es sehr gut gemeistert. Da gibt es für mich keine zwei Meinungen. Vielleicht kann er den Verein nicht nur weiterentwickeln, sondern neu erfinden.

90minuten.at: Ihr Hauptaufgabengebiet ist die Kaderentwicklung. Im Sommer hat man wichtige Spieler abgegeben, andere sind eingesprungen. Wie sieht es Richtung Sommer aus, etwa bei Marcel Ritzmaier, Grüll wird kommen, eventuell als Fountas-Ersatz; ein Ljubicic-Abgang scheint möglich. Wie sind die Planungen?

Barisic: Die Planungen laufen parallel. Ich bin ständig im Austausch mit dem Trainer, der Scoutingabteilung und mit Franz Maresch und Steffen Hofmann, was unsere jungen Spieler betrifft. Wir haben auch Vertragsgespräche mit Spielermanagern aufgenommen. Wir haben es schon geschafft, Marco Grüll an Bord zu holen. Wir arbeiten an der nächstjährigen Mannschaft, aber das ist in Zeiten wie diesen schwierig, weil aus wirtschaftlicher Sicht muss man sehr vorsichtig sein. Wir wissen nicht, wie schnell sich die Wirtschaft erholt, leben natürlich von unseren Sponsoren und Fans, das sind wichtige Einnahmequellen. Wir wissen nicht, wie es unseren Partnern im nächsten halben Jahr gehen wird. Da gibt es viele Dinge, die nicht vorausplanbar sind, auch was das Gesamtbudget betrifft. Es muss allen klar sein, dass wir das nach unten revidieren müssen. Alles, was wir machen können, werden wir machen, werden uns aber nicht in Abenteuer stürzen. An oberster Stelle steht für Christoph Peschek und mich, dass wir Rapid durch die Krise führen. Ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen. Durch den sportlichen Erfolg wird das ja auch immer vergessen.

 

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