Robert Sedlacek: "ÖFB-Präsident Leo Windtner hat sich nicht gewehrt"
Im Interview mit 90minuten.at spricht der Präsident des Wiener Fußballverbands, Robert Sedlacek, über die Machtspiele im ÖFB und warum Leo Windtner künftig vier Vizepräsidenten zur Seite gestellt bekommt. Von Michael Fiala
90minuten.at: Die Vizepräsidenten feiern ein ÖFB-Comeback. Warum ist es dazu gekommen?
Robert Sedlacek: Der Hintergrund war einfach: Es hat früher das Direktorium gegeben, wo aus jeder Region eine Person sowie der Bundesliga-Präsident vertreten waren. Durch die Ausgliederung des Profibetriebs in eine Kapitalgesellschaft ist das weggefallen und es war der Wunsch der Landesverbände, dass aus jeder Region wieder eine Person in Form eines Vizepräsidenten wieder dabei sind.
90minuten.at: Die Landesverbände haben – so könnte man sagen – einen Machtverlust also nicht hinnehmen wollen?
Sedlacek: Nein, so sehe ich das nicht. Es geht einerseits darum, dass man den Präsidenten vertreten kann, wenn er verhindert ist. Zudem kann man gewisse Funktionen in der FIFA wie etwa Vorsitze in Kommissionen nur dann ausführen, wenn man zumindest Vizepräsident ist.
Nach Ende der Zeit von Gigi Ludwig und der Umstrukturierung durch den Wegfall des Direktoriums ist hier der Wunsch der Landesverbände aufgekommen, , wieder pro Region einen Vertreter als Vizepräsident zu entsenden.
90minuten.at: Und wenn einmal ein neuer Teamchef ausgewählt wird? Haben sich die Vizepräsidenten hier besondere Rechte zusichern lassen?
Sedlacek: Nein. Es war auch schon jetzt so, dass der Teamchef im Präsidium beschlossen wurde und da waren ja auch alle neun Landesverbände vertreten. Schlussendlich musste das gesamte Präsidium dem Vorschlag von Windtner bzw. Ruttensteiner zustimmen. Ich sehe durch die neue Konstellation keine Änderung diesbezüglich. Der Einfluss ist dadurch nicht größer geworden, denn in jeder Präsidiumssitzung können alle neun Landespräsidenten mitsprechen. Ein Vizepräsident hat nicht mehr Einfluss.
90minuten.at: Aber dennoch war das ganze Thema so wichtig, dass man Windtner die Wiederwahl sonst verwehrt hätte?
Sedlacek: Wie schon eingangs erwähnt, ist nach Ende der Zeit von Gigi Ludwig und der Umstrukturierung durch den Wegfall des Direktoriums hier der Wunsch der Landesverbände aufgekommen, wieder pro Region einen Vertreter als Vizepräsident zu entsenden. Es gibt kaum Länder in Europa, wo es keine Vizepräsidenten bei den Fußballverbänden gibt. Wenn die Rechte des Vizepräsidenten so wichtig wären, hätte ich mich selbst beworben.
90minuten.at: Das heißt, es ist auch eine Form der Kontrolle für die neue Struktur, die entstanden ist?
Sedlacek: Alles, was neu ist, muss sich einspielen. Es ist eine rein organisatorische Maßnahme, die ich gut finde.
90minuten.at: Wie hat Leo Windtner auf diese Forderungen reagiert?
Sedlacek: Er hat sich nicht gewehrt.
90minuten.at: Wer wird aus der Ost-Region als Vizepräsident nominiert?
Sedlacek: Das wird Johann Gartner aus Niederösterreich sein, weil er der Dienstälteste von uns in der Ost-Region ist.
90minuten.at: In Kürze wird die Regionalliga Ost ausgelost. Wie sieht es mit der Causa Vienna aus?
Sedlacek: Ich rechne nicht damit, dass es bis dahin eine Entscheidung des Gerichts geben wird. Insofern werden wir 17 Vereine in der RLO haben – inklusive Vienna. Alles andere wird man erst später sehen.
Wir danken für das Gespräch!