Zwischen 1999 und 2004 hatte Roman Wallner seine Blütezeit beim SK Rapid. Dieser holte ihn einst von Jugendklub Sturm Graz, wo Wallner nur zu einem einzigen Einsatz (im Dezember 1998 in der Champions League gegen Inter Mailand) kam.
Im Laufe seiner Karriere spielte Wallner 44 Mal gegen die "Blackies", die zu seinem Lieblingsgegner wurden. Insgesamt 18 Mal traf er gegen jenen Verein, bei dem er "praktisch das Handwerk gelernt" habe, wie es Wallner selbst formuliert.
Am Freitag (ab 19:30 im LIVE-Ticker>>>) treffen seine beiden Ex-Klubs aufeinander, zu welchen er nach wie vor "eine emotionale Verbindung" habe.
Im 90minuten-Interview spricht Wallner außerdem über sein Aus in Altach, das Ligaformat und wen er im Meisterkampf vorne sieht.
90minuten: Du bist bei Sturm Graz groß geworden, deinen Aufstieg hast du aber bei Rapid hingelegt. Welche Beziehung hast du heute zu den beiden Klubs?
Roman Wallner: Bei Sturm habe ich meine gesamte Jugend verbracht. Da habe ich praktisch das Handwerk gelernt, bei Rapid ist mir dann mein Durchbruch gelungen. Von daher habe ich natürlich eine emotionale Verbindung. Allerdings ist das schon ziemlich lange her. Mich verbindet etwas mit den Vereinen, aber ich sehe es eher neutral. Ich bin eher Zuschauer, genieße die Spiele und habe bei beiden meine Freude, wenn sie erfolgreich sind.
90minuten: Allerdings hast du für Sturm nie in der Bundesliga gespielt, für Rapid bist du 134 Mal aufgelaufen, davon 13 Mal gegen Sturm. Was ist dir aus diesen Spielen besonders in Erinnerung geblieben?
Wallner: Was mir in Erinnerung geblieben ist: Wenn ich gegen Sturm gespielt habe, ist mir interessanterweise immer etwas gelungen. Ich habe getroffen oder wir haben gewonnen. Es gibt Vereine, gegen die es nicht so gut läuft und andere, gegen die es sehr gut läuft. Sturm ist ein Verein gegen den es, auch unabhängig von Rapid, oft sehr positiv für mich gelaufen ist.
90minuten: Sturm kann man ja generell als deinen Lieblingsgegner bezeichnen, gegen die "Blackies" hast du die meisten Tore geschossen, nämlich 18 Stück.
Wallner: Das habe ich gar nicht gewusst (lacht).
90minuten: Gern geschehen.
Wallner: Dann bestätigen die Daten also auch mein Gefühl.

90minuten: Warum ist es ausgerechnet gegen deinen Jugendverein so gut für dich gelaufen? Hast du eine Erklärung dafür?
Wallner: Ich tue mir echt schwer, das zu erklären. Vielleicht liegt es an der ganzen Geschichte drumherum. Ich glaube aber, dass es dafür gar keine richtige Erklärung gibt. Es gibt einfach Mannschaften, die einem mehr liegen. Vielleicht hat die Art, wie Sturm Fußball gespielt hat, besser für mich gepasst als beispielsweise die von Mattersburg. Sturm war eher darauf bedacht, Fußball zu spielen und hat sich nicht hinten reingestellt. Dann hast du als Stürmer natürlich mehr Platz.
Rapid hat eine Phase, in der es nicht so rund läuft, teils sportlich, teils rundherum. Ich glaube aber, dass das Rapid für Sturm auch gefährlich macht.
90minuten: Am kommenden Freitag treffen Sturm und Rapid in der Meisterrunde aufeinander. Was erwartest du von dem Spiel?
Wallner: Sturm wird der Favorit sein. Rapid hat eine Phase, in der es nicht so rund läuft, teils sportlich, teils rundherum. Ich glaube aber, dass das Rapid für Sturm auch gefährlich macht. Da sollte man Rapid nicht unterschätzen, aber Sturm wird darauf gut vorbereitet sein. Für alle ist das (die Ligateilung, Anm.) jetzt mitten in der Saison ein Neustart. Ich denke, dass die ersten Spiele sehr, sehr wichtig sind. Denn das macht was mit den Leuten, auch im Kopf. Ich glaube, es wird am Anfang eher ein Abtasten werden, weil niemand verlieren möchte. Das kann man generell für die ersten Spiele in der Meisterrunde sagen, je näher das Saisonende kommt, desto mehr werden Druck und Stress zunehmen.
90minuten: Bist du ein Freund der Liga- und Punkteteilung?
Wallner: Ich muss ehrlich sagen: eher nicht. Weil es die Liga in dem Sinn nicht gerecht macht. Ich glaube, dass einer der Hauptgedanken war, dass es gerechter wird, weil Salzburg nicht so davonziehen kann und die Liga dadurch spannender wird. Wenn ich auf das untere Playoff schaue, ist es aus meiner Sicht nicht gerecht. Ich habe immer noch den Abstieg der Admira im Kopf.
Die Hürde, da einen jungen, unerfahrenen Spieler einzusetzen, ist sehr, sehr hoch. Denn letztlich geht es da ja auch um deinen Job.
90minuten: Das haben schon zahlreiche Vereinsverantwortliche so oder ähnlich betont.
Wallner: Einerseits will man mehr Österreicher haben, die Jugend forcieren und in weiterer Folge vielleicht Transfereinnahmen lukrieren. Aber das ist in diesem Modus einfach enorm schwer.
90minuten: Bist du der Meinung, dass die Liga dadurch zumindest spannender wird?
Wallner: Es gibt mehr Spannung und es geht mehr ans Nervenkostüm. Die Frage ist für mich: Wie deklariert man sich als Liga? Will man eine Ausbildungsliga sein oder nicht? Das ist eine Frage, die man nicht hundertprozentig mit Ja oder Nein beantworten kann. Hast du einen "normalen" Ligamodus, entsteht dadurch vielleicht der Nachteil, dass es langweiliger wird. Dafür ist es bei gewissen Vereinen ruhiger, was ihnen eine einfachere Planung ermöglicht. 50 bis 70 Prozent der Vereine im unteren Playoff müssen zweigleisig planen.
90minuten: Um zum anstehenden Spiel deiner beiden Ex-Klubs zurückzukommen: Bei Rapid läuft es im Frühjahr nicht mehr so rund wie im Herbst, wo siehst du die Gründe dafür?
Wallner: Aufgrund der Ligateilung ist es eben sehr wichtig, wie du startest. Außerdem haben sie aktuell nicht den großen Goalgetter, der in gewissen Spielen den Unterschied ausmacht. Den hatten sie mit Guido Burgstaller dank seiner Routine und seinem Torinstinkt. Er fällt derzeit weg und ist schwer zu ersetzen. Wenn du dann die Tore nicht machst und nur Remis spielst oder verlierst, kommt das ganze Spiel nicht zum Tragen.
Burgstaller hatte einige Spiele dabei, wo er die Entscheidung herbeigeführt hat, egal ob Rapid besser oder schlechter war. Sie haben gewonnen. Das macht auch etwas mit der Mannschaft und mit dem Gegner, wenn du einen wie ihn hast. Das ist nicht der Hauptgrund, aber es trägt sicher dazu bei, dass man nicht so gut startet.
Es kann bei den Zuschauern immer etwas passieren, dass sich gewisse Strömungen, positiv wie negativ, in eine Richtung verstärken. Das macht Rapid aber auch einzigartig und interessant.
90minuten: Du meinst, man kommt dann eben in eine Art Abwärtsspirale?
Wallner: Genau. Man kann das nicht immer so hundertprozentig erklären. Es kommt dann das Drumherum auch noch dazu, was bei Rapid ja ein wenig anders ist als bei anderen Vereinen. Es kann bei den Zuschauern immer etwas passieren, dass sich gewisse Strömungen, positiv wie negativ, in eine Richtung verstärken. Das macht Rapid aber auch einzigartig und interessant.
90minuten: Was muss in der Meistergruppe das Mindestziel für Rapid sein?
Wallner: Ich denke schon, dass Rapid in einen Europacup-Bewerb kommen sollte. Es ist einer der bekanntesten Vereine in Österreich, auch von den Zuschauern und dem neuen Stadion her. Das ist auch wirtschaftlich notwendig für den Verein. Für die ersten paar Runden wird es wichtig sein, dass Ruhe einkehrt und Konstanz da ist. Dann kommen die Ergebnisse automatisch.
90minuten: Sturm hatte im Februar eine Schwächephase, hat sich dann aber wieder gefangen. Sind sie für dich der Titelfavorit?
Wallner: Rein von der Papierform ist Sturm der Favorit, aber ich glaube, dass es heuer ziemlich spannend wird. Bei Sturm ist es ähnlich, wie bei Rapid. Auch sie haben ihren Top-Stürmer (Mika Biereth, Anm.) verloren. Das macht einen Unterschied und das hat man auch gesehen. Von der Grundstruktur und der Kaderplanung halte ich Sturm aber für am stabilsten. Ich denke, es wird ein Match zwischen Austria, Sturm und Salzburg. Es ist auf jeden Fall sehr interessant, denn es kann sich niemand sicher sein.

90minuten: Im September mussten du und Cheftrainer Joachim Standfest beim SCR Altach gehen. Wie ist es dir nach dem Aus dort gegangen?
Wallner: Zunächst ist man natürlich enttäuscht. Ich hätte sehr gerne weitergemacht. Es war immer ein bisschen Wirbel da. Rückblickend habe ich schon das Gefühl, dass es eine Frage der Zeit war. Ob es richtig war oder nicht, kann man hinterher schwer sagen. Wenn wir geblieben wären, hätten wir genauso gewinnen und verlieren können, wie Fabio (Ingolitsch, Anm.). Ich habe es professionell aufgenommen, mich verabschiedet und kann jedem in die Augen schauen.
90minuten: Wie blickst du auf deine Zeit dort zurück?
Wallner: Durchwegs positiv. Ich konnte sehr viel mitnehmen. Es war sehr intensiv, mit vielen Höhen und Tiefen. Zwischendurch war es auch stressig, da ist man auch ans Limit gekommen, aber das ist etwas, das mir taugt.
90minuten: Wie schauen deine Pläne für die Zukunft aus? Wie geht es für dich weiter?
Wallner: Aktuell bin ich in Warteposition. Ich denke, dass es jedem einmal so geht. Auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, bin ich überzeugt, dass mich das weiterbringt und auch stärker macht. Das gehört dazu. Die Frage ist auch: Wie nutzt du diese Zeit? Bist du aktiv oder passiv? Du musst mit der Situation umgehen und verstehen, dass du auf gewisse Dinge keinen Einfluss hast, außer auf die Schritte, die du selbst setzt.
Im Nachhinein betrachtet, ist es schon sehr lehrreich, auch wenn man das in manchen Momenten nicht so sieht. Ich versuche, sehr aktiv zu bleiben, mich weiterzubilden und Strategien zu entwickeln, dass es mir gut geht und ich glücklich bin. Das ist das, was in meiner Hand liegt.