Greiml blüht in Holland auf: "Ein bisschen wie Rapid"
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Greiml blüht in Holland auf: "Ein bisschen wie Rapid"

Der Horner hatte großes Pech mit zwei Kreuzbandrissen in Folge. Nun ist er erstmals seit Längerem fit und bringt starke Leistungen. Leo Greiml im 90minuten-Interview:

Zwei oder sogar mehr Kreuzbandrisse binnen kürzester Zeit - ein extrem bitteres Schicksal für jeden Fußballer.

Und eines, welches in jüngerer Vergangenheit gleich mehrere ÖFB-Hoffnungsträger ereilte: Florian Wustinger, Ziad El-Sheiwi, Sasa Kalajdzic oder Xaver Schlager, um nur die aktuellsten, prominentesten Fälle zu nennen.

Und freilich gehört auch Leo Greiml in diese Auflistung. Im Herbst 2021 - der Horner galt damals als eine der heißesten ÖFB-Zukunftsaktien - riss sich der damalige Rapid-Innenverteidiger bei einem Auswärtsspiel in Hartberg erstmals das Kreuzband im rechten Knie.

Ein fataler falscher Schritt in Hartberg
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Ein fataler falscher Schritt in Hartberg

Es sollte Greimls letztes Spiel in Grün-Weiß gewesen sein. Am Ende der Saison 2021/22 verließ er Rapid ablösefrei zum damals frisch in die Deutsche Bundesliga zurückgekehrten FC Schalke 04.

Die Nachwirkungen der Kreuzbandläsion und anschließend eine Meniskusverletzung bremsten Greiml in Gelsenkirchen aus, Schalke stieg wieder ab. In der Vorbereitung auf die Saison 2023/24 dann der nächste Schock:

Wieder das rechte Knie, wieder Kreuzbandriss. Die Saison war für Greiml vorbei, ehe sie überhaupt begonnen hatte - und gleichzeitig auch seine Zeit auf Schalke.

Meine Situation war nicht einfach, ich war wieder eine ganze Saison verletzt. Im Endeffekt wusste kein Verein, wie mein Stand ist, ob ich überhaupt noch Fußball spielen kann.

Leo Greiml

Ausweg Eredivisie

Im Vorlauf der Saison 2024/25 wurde dem mittlerweile 23-Jährigen mitgeteilt, dass er beim Gelsenkirchner Krisen-Klub nicht mehr eingeplant sei. Es war eine Zeit der Ungewissheit für den Niederösterreicher.

"Meine Situation war nicht einfach, ich war wieder eine ganze Saison verletzt. Im Endeffekt wusste kein Verein, wie mein Stand ist, ob ich überhaupt noch Fußball spielen kann", blickt Greiml im 90minuten-Interview auf den Vorsommer zurück.

Das Transferfenster war schon einige Wochen offen, als der Anruf kam: Eredivisie-Aufsteiger NAC Breda hat Interesse. Greiml: "Für mich war es sofort klar, dass ich den Schritt in die Niederlande machen werde."

Nur eine gute Woche nach Bekanntgabe seines Transfers stand der Abwehrspieler zum Eredivisie-Auftakt gleich in der Startelf Bredas. Greiml musste auf der ungewohnten Position des Rechtsverteidigers aushelfen, man verlor 1:4 gegen den FC Groningen.

Am Sonntag schließt sich ein Kreis

Ein Kaltstart, der allerdings schnell abgeschüttelt werden konnte. Am Wochenende darauf trafen Greiml und Co. auf Ajax Amsterdam - und besiegten den niederländischen Rekordmeister mit 2:1.

Ein völlig unerwarteter Sieg, der für Greiml "sehr emotional war, weil ich ein Monat davor nicht mal gewusst habe, wie es weitergeht. Ich habe ein paar Tage jede Sekunde an diesen Sieg denken müssen".

Greiml darf am Sonntag vor 50.000 in Amsterdam ran
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Greiml darf am Sonntag vor 50.000 in Amsterdam ran

Am kommenden Sonntag wartet nun das Rückspiel in Amsterdam. Ajax hat seit der überraschenden Niederlage in Breda nur mehr ein Liga-Spiel verloren und ist mittlerweile überlegener Tabellenführer.

"Ajax hatte sich damals noch nicht richtig gefunden gehabt, aber ich glaube, dass sie jetzt zurecht auf dem ersten Platz stehen. Also es wird sicher nicht einfach werden. Aber wir und AZ Alkmaar sind die einzigen Mannschaften, die Ajax in dieser Saison geschlagen haben. Vielleicht schaffen wir das ein zweites Mal auch noch", brennt Greiml auf das Highlight vor über 50.000 Menschen in der Johan Cruijff ArenA.

Noch immer ein knallharter Verteidiger

Für den Horner ist die Partie in Amsterdam auch deshalb eine besondere, weil sie sein Comeback auf dem grünen Rasen nach über einem Monat Wartezeit bedeutet. Im Liga-Spiel gegen Sparta Rotterdam Anfang März sah Greiml nach einem gefährlichen Einstieg Rot und wurde für zwei Spiele gesperrt, dazwischen kam die Länderspielpause. "Jetzt freue ich mich darauf, dass ich endlich wieder spielen kann."

Für dieses Foul fasste Greiml eine Zwei-Spiele-Sperre aus (VIDEO):

Der aus der ADMIRAL Bundesliga für seine knallharte Spielweise bekannte Verteidiger hat in dieser Saison schon vier Spiele gesperrt verpasst. "Meine Spielweise hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich geändert. Das ist mein Spiel, dass ich sehr intensiv in die Zweikämpfe reingehe", sagt Greiml dazu.

Gleichzeitig hält er fest, dass er in der Rückrunde erst eine Gelbe Karte sah. Die vielen Verwarnungen aus der ersten Saisonhälfte seien auch der mangelnden Spielpraxis in den Jahren davor geschuldet: "Mit jedem Fehler, mit jeder Karte lerne ich dazu."

Greiml gehört zu den Besten seines Teams

Vor seiner Zwangspause war Greiml gut in Form. Vom kroatischen Sportdatenunternehmen "Sofascore" wird er in dieser Saison mit einer durchschnittlichen Note von 7,17 bewertet, ist damit im gesamten Eredivisie-Vergleich auf dem starken 27. Rang und teamintern Zweiter.

Für den Spitzensport muss man zu 100 Prozent fit sein, um Leistungen zu bringen.

Leo Greiml

In Breda wird Greiml nur von Innenverteidiger-Partner Jan van den Bergh übertrumpft. Mit dem belgischen Routinier habe er "vom ersten Training an sehr gut harmoniert. Wir ergänzen uns: Er macht sehr viel nach vorne mit dem Ball und ich bleibe meistens hinten und mache die Restverteidigung".

Einen Grund für seine gute Form sieht Greiml auch darin, dass er erstmals seit Jahren wieder über einen längeren Zeitraum von Verletzungen verschont blieb: "Für den Spitzensport muss man zu 100 Prozent fit sein, um Leistungen zu bringen."

Eigentliche Selbstverständlichkeiten im Alltag eines Fußballers wie regelmäßige Teilnahmen am Mannschaftstraining und Matches am Wochenende haben in Greimls Leben in den letzten drei Jahren gefehlt. Das brachte ihn ins Grübeln: "Man hat sich natürlich Gedanken gemacht: 'Ständig ist irgendwas, man ist nie wirklich fit. Warum ist das so?'".

NAC Breda "ein bisschen wie Rapid"

Breda gilt als fußballverrückte Stadt
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Breda gilt als fußballverrückte Stadt

Mental hat er mit den schweren Verletzungen abgeschlossen, diesbezüglich habe auch die Luftveränderung Richtung Niederlande geholfen:

"Bei Schalke hat jeder gewusst: 'Der hat zwei Verletzungen am Knie gehabt.' Es war bei jedem im Hinterkopf. Hier bei Breda habe ich meinen Mannschaftskollegen erzählt, dass ich schon zweimal am Kreuzband operiert worden bin, und sie haben es nicht glauben können. Wenn man mich jetzt wieder spielen sieht, würde man nicht sehen, dass ich irgendeine Verletzung hatte."

Überhaupt fühlt er sich in Breda sehr wohl. "Die Stadt Breda hat echt was drauf", sagt Greiml über die rund 180.000 Bewohner starke Stadt nahe der belgischen Grenze.

Und der 1912 gegründete Klub an sich "ist ein bisschen wie Rapid, da ist richtig viel Tradition dahinter. Als einiger von wenigen Klubs war bei jedem unserer Auswärtsspiele in dieser Saison der Auswärtssektor ausverkauft, auch jedes Heimspiel ist ausverkauft".

Schalke-Rückkehr kein Thema

Eine Rückkehr nach Gelsenkirchen kann sich Greiml momentan nicht vorstellen
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Eine Rückkehr nach Gelsenkirchen kann sich Greiml momentan nicht vorstellen

Breda ist als Aufsteiger momentan im unteren Tabellenmittelfeld platziert. Ein Platz im Europacup-Playoff ist zwei Punkte entfernt, der Vorsprung auf den Relegationsrang beträgt sechs Zähler. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nichts mit der Relegation zu tun haben werden", meint Greiml sieben Spieltage vor Schluss.

Der Niederösterreicher unterschrieb ursprünglich für zwei Jahre in Breda, hat aber bereits im Februar bis 2027 verlängert. Schalke besitzt dennoch weiterhin eine Rückkaufoption auf ihn. Eine Rückkehr nach Gelsenkirchen ist für Greiml aber "momentan echt kein Thema".

Früher oder später möchte er aber schon noch einen zweiten Anlauf in einer Top-5-Liga starten: "Das ist mein Ziel. Wenn ich fit bin, bin ich überzeugt, dass ich aufgrund meiner Qualität und meiner Spielweise in einer Top-5-Liga mithalten kann."

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