Austria Wien gegen TSV Hartberg und LASK gegen den WAC lauten bekanntermaßen die Halbfinal-Paarungen im diesjährigen ÖFB-Cup.
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Sturm Graz, Red Bull Salzburg und den SK Rapid sucht man also in der Vorschlussrunde vergebens, was - und das wird wenige überraschen - eine krasse Ausnahme darstellt.
Doch wann war es eigentlich zuletzt der Fall, dass es keiner dieser drei Klubs ins Semifinale schaffte? Dafür müssen wir ein Teenager-Leben weit zurückreisen. Fast 17 Jahre ist es her, dass dies letztmals der Fall war, konkret im April 2009.
Magna, Prilasnig und Radovic
Das damalige Halbfinale bildeten die Paarungen zwischen dem FC Magna Wiener Neustadt gegen die Wiener Austria sowie Austria II gegen die Admira. Dass gleich drei (Ex-)Stronach-Klubs im Halbfinale standen, steht stellvertretend für eine rückblickend denkwürdige ÖFB-Cup-Saison 2008/09.
So trafen etwa im Achtelfinale die beiden Magna-Klubs aufeinander: Der SV Wienerberg (mit Ikonen wie Zjelko Radovic und Andreas Lipa) unterlag durch ein spätes Tor von Guido Burgstaller mit 0:1 gegen Kooperationsklub Wiener Neustadt. Mit demselben Ergebnis setze sich Sturm Graz gegen den damals in der Regionalliga Ost spielenden SV Horn (mit "Blackies"-Legende Gilbert Prilasnig) durch.

Die erste Sensation der Cup-Saison 2008/09 trug sich ebenfalls im Achtelfinale zu. Bundesligist Mattersburg blamierte sich gegen Rapid II - und zwar so richtig. Nach einer 1:0-Führung durch Michael Mörz ging die Elf von Franz Lederer mit 1:5 unter. Und während die jungen Grün-Weißen jubelten, hingen bei den "Großen" die Köpfe. Zeitgleich kegelte die SV Ried den amtierenden Meister aus Hütteldorf aus dem Bewerb.
Die "Kleinen" ganz groß
Eine noch größere Überraschung gelang den Amateuren der Wiener Austria. Die "Jung-Veilchen" eliminierten Red Bull Salzburg. Nachdem Ernst Öbster die "Bullen" standesgemäß in Führung gebracht hatte, sorgte der heutige ÖFB-Frauenteamchef Alexander Schriebl für den Ausgleich. In der Nachspielzeit schockte Dragan Dimic die Salzburger mit dem 2:1-Siegtor.
Das Los wollte es so, dass es im Viertelfinale zum "Amateur-Derby" zwischen Rapid II und Austria II vor 4.500 Zuschauern im Gerhard-Hanappi-Stadion kam. Für Grün-Weiß liefen die damals noch recht unbekannten Christopher Trimmel, Muhammed Ildiz, Boris Prokopic und Christopher Drazan auf. Bei den "Veilchen" schickte Coach Hans Dihanich Christian Ramsebner, György Korsos, Dario Tadic, Marin Leovac und Benjamin Sulimani ins Rennen. Die Austrianer setzten sich schließlich mit 5:2 nach Elferschießen durch und zogen ins Semifinale ein.
Das brisante "Stronach-Derby"
In diesem gab es, wie bereits angedeutet, zumindest einen großen Sieger: die Fans in und um Wien. Alle vier Teilnehmer liegen in einem Radius von 25 Kilometern. Brisant war vor allem das Duell zwischen den Austria-Profis und den Neustädtern. Denn Frank Stronach hatte erst im Sommer davor seine Zelte in Favoriten abgebrochen hatte und war mit seinen Millionen in die "Allzeit Getreue" übersiedelt.
Mithilfe der Zweitligalizenz des SC Schwanenstadt hievte er den damaligen Fünftligisten in die zweithöchste Spielklasse, die damals unter dem irreführenden Namen "Erste Liga" geführt wurde.
Im "Stronach-Derby" im alten Wiener Neustädter Stadion setze sich letztlich das geschasste Liebkind aus Favoriten vor knapp 7000 Zuschauern dank eines Abstaubers von Rubin Okotie knapp, aber verdient mit 1:0 durch.

Die Aufstellungen von damals:
Wiener Neustadt: Saso Fornezzi; Daniel Dunst, Mario Reiter, Georg Margreitter, Wolfgang Klapf (86. Alexander Grünwald); Patrick Wolf (79. Taner Ari), Sebastian Martinez (66. Harun Erbek), Vaclav Kolousek, Tomas Simkovic; Hannes Aigner, Sanel Kuljic
Austria Wien: Szablocs Safar; Joachim Standfest, Aleksandar Dragovic, Fanz Schiemer, Markus Suttner; Jocelyn Blanchard; Emin Sulimani, Milenko Acimovic, Mario Bazina, Thomas Krammer; Rubin Okotie (73. Mamadou Diabang)
Die Freude über den Aufstieg ein Stück weit getrübt hatte damals eine Gruppe von Austria-Fans, welche zum Sektor der Neustadt-Fans stürmten. Die Polizei schritt ein und drängte die Randalierer zurück. "Die Fans haben uns super unterstützt, aber was nachher abgegangen ist, gehört nicht zum Fußball", sagte Okotie im Anschluss an die Partie.
"Schoko" Schachner does it again
Zum Duell gegen die eigenen Amateure sollte es für die "Veilchen" aber nicht kommen. Im Duell der damaligen Zweitligisten setzte sich die seinerzeit von Walter Schachner trainierte Admira mit 3:1 durch. Damit gelang dem früheren GAK-Coach zum zweiten Mal das Kunststück, einen Zweitligisten ins Cup-Finale zu führen. Schon acht Jahre zuvor war ihm dies mit dem FC Kärnten geglückt.
Verdient war der Sieg für die Südstädter aber nicht unbedingt. Die Jung-Austrianer waren 90 Minuten lang die bessere Mannschaft, konnten aber ihre zahlreichen Chancen nicht nutzen. Den einzigen violetten Treffer erzielte Routinier György Korsos per Elfmeter, was den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 bedeutet hatte.

Zuvor hatte Günther Friesenbichler die Admira in Führung gebracht (11.). In der Schlussphase staubte Martin Pusic nach einer zu kurzen Abwehr des jungen Heinz Lindner ab (75.). Der spätere Teamkeeper legte danach noch Marcus Hanikel im Strafraum, Friesenbichler machte vom Punkt den Deckel drauf (82.).
"Bis zum 1:2 waren wir die bessere Mannschaft. Wir waren aber zu dumm, unsere Chancen zu nützen", monierte der violette Coach Hans Dihanich anschließend, der seine Mannen aber auch in Schutz nahm: "Junge Spieler machen Fehler, wir können uns nichts vorwerfen."
Sein Gegenüber Walter Schachner lobte den Gegner für sein Spiel, wenn auch zwischen den Zeilen: "Wir haben uns gegen die Austria Amateure immer schwergetan. Sie spielen ein System, das uns nicht liegt", so der Steirer. Sein Team habe aber "nach dem Ausgleich Moral gezeigt".
Pappel statt Happel
Das Finale wurde damals, was heute für manch jungen Fan ein wenig eigenartig klingen mag, in Mattersburg ausgetragen. Im Pappelstadion des damaligen burgenländischen Bundesligisten fanden sich am 24. Mai 2009 mehr als 10.000 Zuschauer ein.
Das Spiel wurde nach einer schwerfälligen ersten Hälfte zum Thriller. Die Südstädter machten es den "Veilchen" enorm schwer, die Schachner-Elf stand tief und lauerte auf Konter.

Das Spiel war in den ersten 30 Minuten von enormer Vorsicht beider Seiten geprägt, was zu einem vorübergehenden Schulterschluss der beiden Fangruppen führte, die aufgrund der Unattraktivität des Spiels ein gellendes Pfeifkonzert starteten, in welches auch die neutralen Besucher einstimmten.
Nachdem Froylan Ledezma die Admira alleine vor Robert Almer eigentlich in Führung hätte bringen müssen, schoss auf der Gegenseite Rubin Okotie nach Zuspiel von Milenko Acimovic zur Führung ein (59.).
Nach 72 Minuten bugsierte Laschet den Ball nach einem Corner zum Ausgleich für den Underdog ins Netz. In der Schlussphase hätten Okotie bzw. Friesenbichler die Partie zu Gunsten ihrer Teams entscheiden können, da dies aber nicht gelang, musste eine Verlängerung her.
In dieser bewies Acimovic seine ganze Klasse. Der 76-fache slowenische Teamspieler avancierte per Doppelpack (94., 100.) zum Matchwinner. Nach Schlusspfiff brachen alle Dämme und die Austria-Fans stürmten den Rasen:
Die Aufstellungen von damals:
Austria Wien: Robert Almer; Joachim Standfest (74. Fernando Troyansky), Jacek Bak (90. Aleksandar Dragovic), Franz Schiemer, Markus Suttner; Emin Sulimani; Jocelyn Blanchard, Matthias Hattenberger, Milenko Acimovic; Bazina (114. Xiang Sun), Okotie
Admira Wacker: Thomas Mandl; Sascha Laschet (76. Christoph Cemernjak), Ernst Dospel, Michael Horvath, Andreas Schicker; Rene Schicker; Christoph Mattes (30. Almedin Hota), Daniel Toth, Martin Pusic; Günther Friesenbichler, Froylan Ledezma
Sturm- und Salzburg-Dominanz gebrochen
Für die Austria war es damals der 27. Cup-Titel - der letzte bis heute. Um Titel Nummer 28 zu holen, muss am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im LIVE-Ticker>>) ein Sieg über den TSV Hartberg her.
Wenn die Partie beginnt, werden beide Teams den Gegner bereits kennen, der auf sie im Endspiel warten würde. Schon davor duellieren sich der LASK und der WAC (ab 18:15 Uhr im LIVE-Ticker>>>).
Sicher ist allerdings schon jetzt: Der Cupseiger wird erstmals seit 2013 nicht Salzburg oder Sturm heißen. Vor zwölf Jahren sicherte sich gar Regionalligist FC Pasching sensationell den Triumph im Cup - mit einem Sieg über die Austria.