Warum eine Wiener Hobbytruppe in Brasilien wie Fußball-Stars gefeiert wurde
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Warum eine Wiener Hobbytruppe in Brasilien wie Fußball-Stars gefeiert wurde

Vor Jahren reisten die DSG Magic Unicorns für ein Trainingslager nach Fortaleza. Eine Geschichte über Polizei-Eskorten, Auftritte in Profi-Stadien und im Dschungel.

22 Fußballer landen in Brasilien. Am Flughafen werden sie von Sambatänzerinnen und Trommlern empfangen.

Hier handelt es sich aber nicht um einen Haufen Profifußballer, sondern eine einfache Hobbytruppe: die DSG Magic Unicorns.

Der 2011 gegründete Klub spielt in der DSG-Liga. Das Ligensystem der Erzdiözese Wien bildet den Unterbau des Wiener Fußballs.

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Trotzdem ist beim zehntägigen Trip im Jänner 2019 bei den Busreisen der Unicorns immer eine Polizeieskorte dabei. Brasilianische Radiostationen berichten sogar über die Truppe.

Wie hat ein normaler Hobbyklub das alles geschafft?

Vier Jahre von der Idee zur Umsetzung

Die Idee wurde 2015 bei einem Charity-Event der Magic Unicorns geboren. Gemeinsam mit Promis und Ex-Profis sammelte der Klub 10.000 Euro für das brasilianische Kinderheim "Pequeno Nazareno".

Die Verbindung zwischen dem DSG-Verein und Brasilien kommt nicht von irgendwo. Vereinsgründer und Präsident Philipp Grünbacher ist nämlich Halbbrasilianer und setzte sich schon damals für das Kinderheim ein.

"Ich bin jedes Jahr in Brasilien, habe dort Familie. Ein paar Mitspieler hatten auch Interesse, das Kinderheim dort zu besuchen", erzählt Grünbacher im Gespräch mit 90minuten, "dann habe ich spaßhalber gesagt: Passt, wir machen ein Trainingslager in Brasilien."

Ein Trainingslager als DSG-Klub zu absolvieren, ist ohnehin schon unüblich. Dann auch noch in Brasilien? "Es war sehr utopisch am Anfang", gibt sogar der Präsident zu.

Die Unicorns bei der Ankunft am Flughafen.
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Die Unicorns bei der Ankunft am Flughafen.

Doch die Idee ließ Grünbacher und den gesamten Klub nicht los.

"Als ich die nächsten Male in Brasilien war, habe ich immer mehr versucht, mich da hineinzufuchsen und mit den Leuten zu reden", so Grünbacher. Mit dem Profiklub Itapipoca EC gab es früh einen Partnerverein.

Eine Reise in diesem Ausmaß konnte der DSG-Klub natürlich nicht allein finanzieren.

"Familienunternehmen" half mit

Das "Wiener Mozart Orchester" unterstützte die Magic Unicorns bei der Umsetzung und Organisation, stellte eine Unterkunft zur Verfügung und zahlte die komplette Teamwear sowie die Hälfte der Flugkosten.

"Das ist unser Familienunternehmen", erzählt Grünbacher, der heute der inhabende Geschäftsführer des Unternehmens ist. Etwa 1.500 Euro zahlte jeder der 22 Spieler selbst. "Die meisten waren zu der Zeit noch Studenten - also da haben die Eltern auch brav unterstützt", ergänzt Grünbacher.

Die Unicorns mit einigen Brasilianern beim Strand-Kick.
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Die Unicorns mit einigen Brasilianern beim Strand-Kick.

Somit war der Plan fixiert. Für die Unicorns ging es tatsächlich nach Brasilien.

Zwei Monate vor dem Trip, im November 2018, reiste Grünbacher noch einmal nach Südamerika. "Ich war noch einmal für wenige Tage dort, weil so viele TV- und Radiosender unbedingt mit uns reden wollten - einfach ein irres Erlebnis."

Ein Highlight wäre mit Sicherheit auch der Test gegen den damaligen Erstligisten Ceará SC gewesen. Der Klub aus Fortaleza sagte jedoch kurz vor Reiseantritt ab. "Es hat ihnen dann doch nicht in die Vorbereitung gepasst - das ist halt auch Brasilien", meint der Vereinspräsident.

Behandelt wie Stars

Nicht nur die Ankunft am Flughafen war besonders, sondern auch die Busreisen zu den Trainings und Spielen.

Denn der Bus des Wiener Hobbyklubs wurde stets von einer Polizeieskorte begleitet. Grünbacher klärt auf: "Fortaleza ist eine gefährliche Stadt. Und als die Polizei aus den Medien erfahren hat, dass wir da sind, haben sie das von sich aus angeboten. Also sind wir da wirklich durch den Abendverkehr durchgefahren und durften auch über rote Ampeln fahren."

Selbst bei einem mannschaftlichen Club-Besuch wirkten die Magic Unicorns wie Promis. "Es gab eine Riesenschlange, aber wir wurden einfach reingewunken. Es dachten wirklich alle, wir sind Fußballstars", meint der Klub-Präsident.

Interviews nach dem Match, das kannten die Magic Unicorns zuvor auch nicht unbedingt.
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Interviews nach dem Match, das kannten die Magic Unicorns zuvor auch nicht unbedingt.

Doch warum überhaupt wurden die Unicorns-Kicker so speziell behandelt?

Grünbacher versucht es zu erklären: "Es war so ein Mix: Wir haben schon allen ehrlich gesagt, dass wir nur eine Amateurtruppe sind. Aber als Fußballmannschaft aus Europa war das einfach besonders. Wir haben auch ständig unsere eigene Teamwear getragen. Außerdem verirren sich in diese Gegend generell weniger Europäer hin. Und dann gleich 22 große Fußballer - das sieht man dort einfach nicht."

Profi-Feeling beim ersten Test

Am ersten Tag ging es für das erste Training in ein 25.000er-Stadion. Einen Tag später stand dann auch schon der Test gegen Itapipoca an.

Beim Spiel gegen den Profiklub waren über 3.000 Fans zugegen - ein immenser Unterschied zu den Zuschauerzahlen in den DSG-Ligen. "Das war eine Mega-Stimmung - sogar mit Fansektor dahinter und Trommlern", schwärmt Grünbacher.

Bei rund 35 Grad verloren die Magic Unicorns 0:5. Danach wurden sie dennoch wie Stars behandelt.

Über 3.000 Zuschauer waren im Estadio Perilo Teixera gegen Itapipoca vor Ort.
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Über 3.000 Zuschauer waren im Estadio Perilo Teixera gegen Itapipoca vor Ort.

"Fans haben nach den Spielen gewartet und wollten unsere Hosen, Stutzen und alles haben - vollkommen surreal, auch für die Gegner, die noch nie gegen europäische Vereine gespielt haben", sagt Grünbacher.

Sogar im Radio wurde über die Testspiele des österreichischen Vereins berichtet.

Zwischen Schlangen und einer Riesen-Vogelspinne im Dschungel

Der zweite Test war ein krasser Kontrast zum ersten, bei dem sich die DSG-Kicker noch wie Profis fühlen durften.

Mitten im Dschungel empfing Guaramiranga FC, ein Klub aus einem Bergdorf, die Magic Unicorns. Die Platzbedingungen waren speziell: abstruse Strafraum-Maße, Steine auf dem Spielfeld und eine Seitenlinie, die von Schotterhaufen überdeckt war.

Besagter Ziegel, besagter Schotter.
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Besagter Ziegel, besagter Schotter.

"Das war irre, aber auch legendär! Im Nachhinein fast das 'besonderste' Spiel", sagt Grünbacher.

Vor dem Test übernachtete das Team auch in der Nähe. "Es war ein kleiner Ort im Dschungel, in der Nähe von Schlangen und einer Riesen-Vogelspinne. Wir haben dort wirklich alles miterlebt."

Die einzigen aus Österreich?

Auf die 0:2-Niederlage im Dschungel folgte der große Überraschungs-Erfolg: Gegen den FC Gama holten die Magic Unicorns ein 1:1.

Laut Recherchen des DSG-Klubs ist man damit die erste (und Stand 2019 einzige) österreichische Mannschaft, die ein Match in Brasilien nicht verlor. Paul Passler traf nach einem Standard kurz vor Schluss zum Ausgleich.

Allerspätestens beim vierten und letzten Test (1:3 gegen Canoa) zehrten die harten Bedingungen schon am Team. "Wir waren am Ende schon am körperlichen Limit. Es hatte durchgehend 35 Grad. Irgendwann hatten manche dann auch noch Lebensmittelvergiftungen", so Grünbacher.

Es war ein einmaliges Erlebnis: Wenn wir so etwas noch einmal aufstellen würden, hätte ich Angst, enttäuscht zu sein.

Philipp Grünbacher

Es ging aber nicht nur ums Kicken. Die Mannschaft war vor dem Spiel im Stranddorf Canoa am Meer - und besuchte natürlich auch das Kinderheim Pequeno Nazareno.

Die Unicorns blieben den gesamten Tag dort, veranstalteten ein Turnier mit den Kindern und spendeten 500 Euro sowie etliche Fußballschuhe und -Trikots.

Die gesamte Reise beschreibt Grünbacher als überragend: "Es war ein einmaliges Erlebnis." Zu einem zweiten Teil der "Unicorns in Brazil" wird es also wohl eher nicht kommen. "Wenn wir so etwas noch einmal aufstellen würden, hätte ich Angst, enttäuscht zu werden."

Es bleibt also bei dieser "once-in-a-lifetime experience".

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