SKN St. Pölten: Zwei Wege zur Rettung nach Investor-Ausstieg?
Foto © GEPA

SKN St. Pölten: Zwei Wege zur Rettung nach Investor-Ausstieg?

Wieder steht der SKN St. Pölten vor einer unsicheren Zukunft und muss sich um den Verbleib in der 2. Liga Sorgen machen. Zum ungünstigsten Zeitpunkt hat sich Investor FC32 zurückgezogen. 90minuten hat sich umgehört.

Im Fußball geht es oft schnell, der inzwischen ehemalige Investor des SKN St. Pölten "FC32" legt derzeit aber mutmaßlich Rekordtempo hin, allerdings im negativen Sinn. Die Expansion nach Italien im Februar könnte die Gruppe jetzt ihr gesamtes Netzwerk kosten.

Der Reihe nach: Ende Mai 2024 fing "FC32" um den Australier Paul Francis den SKN nach dem Rückzug des VfL Wolfsburg aus seiner Rolle als Partnerklub finanziell auf. Große Pläne wurden geschmiedet, noch im vergangenen Jänner spekulierte Francis über eine Entwicklung hin zu einem Spitzenteam, das auch in Europa mitspielen könnte.

Im Hintergrund wurde währenddessen an einem Netzwerk gebastelt, als erste Ergänzung zum SKN kamen die Cobh Ramblers - ein irischer Zweitligist - ins Portfolio. 90minuten hat berichtet:


Ein zweiter Neuzugang wurde Anfang Februar übernommen. Spezia Calcio zählt zu den Aufstiegskandidaten der italienischen Serie B und wäre zumindest vorübergehend das zentrale Herzstück der Gruppe geworden, St. Pölten immerhin noch ein wesentlicher Bestandteil. Diese Ideen sind jetzt aber verworfen.

Kein Betrug, aber finanziell überlastet

Am Sonntag erhielt der SKN die Nachricht, dass FC32 die Zusammenarbeit beenden und alle Zahlungen einstellen wird. Gegenüber 90minuten erklärt Geschäftsführer Mathias Gebauer: "Es war sehr überraschend. In der letzten Woche hatten wir noch einen guten Austausch, auch vereinbarte Gelder wurden überwiesen."

Paul Francis, der als Gesicht der Investorengruppe bis vor kurzem noch als Vizepräsident der "Wölfe" auftrat, wurde von seinen Geschäftspartnern das Vertrauen entzogen. Die Rede ist von einer "Notbremse", die gezogen wurde.

Erste Priorität war, die Anteile des Vereins, die man an FC32 abgegeben hatte, zurückzuholen - das ist gelungen. Zu den Gründen, wie es überhaupt zur aktuellen Situation kommen konnte, kann Gebauer wenig sagen: "Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir hier nicht von Betrug sprechen. Es ist auch viel Geld an den SKN geflossen."

SKN-Geschäftsführer Matthias Gebauer
Foto © GEPA
SKN-Geschäftsführer Matthias Gebauer

Einfach ausgedrückt, hat sich die Investorengruppe mit dem Einstieg bei Spezia übernommen. Man wollte zu schnell zu viel, das ist sich nicht ausgegangen. "In wirtschaftlicher Hinsicht wurden schlechte Entscheidungen getroffen", meint Gebauer.

Kurzfristig - zumindest für das kommende Wochenende - ist der Betrieb jedenfalls gesichert. Die Überweisungen der Vorwoche reichen, um die März-Gehälter zu decken. Auch gegenüber der Mannschaft wurde das bereits kommuniziert, wie 90minuten erfahren hat.

Schlechte Lizenz-Aussichten

Ähnlich ungünstig wie die Gesamtentwicklung ist auch der Zeitpunkt. Demnächst entscheidet der Bundesliga-Senat 5 in erster Instanz über die Lizenzen. Bis vergangenen Mittwoch um 17:00 mussten die Vereine Rückfragen zu den bereits eingereichten Unterlagen beantworten. "Man muss den Zwischenabschluss bekanntgeben und Bescheid sagen, falls sich irgendwelche Änderungen ergeben haben, die den Verein betreffen. Wir haben der Bundesliga die Situation offengelegt und sie so gut wie möglich aufbereitet", erklärt der SKN-Geschäftsführer.

Es fällt eine große Geldquelle weg, das ist Fakt. Wir müssen schnellstmöglich eine Lösung zusammenbringen.

Matthias Gebauer

Wie groß das Loch in der Kassa ist, möchte er nicht beziffern. "Es fällt eine große Geldquelle weg, das ist Fakt. Wir müssen schnellstmöglich eine Lösung zusammenbringen", sagt Gebauer gegenüber 90minuten und ergänzt zum Thema Lizenz: "Es gibt klare Regeln. Unsere Situation ist natürlich schon speziell, so kurzfristig ist das wahrscheinlich auch noch nicht oft passiert."

Aufgrund der bevorstehenden Lizenzentscheidung drängt die Zeit, die Bundesliga bestätigt laufenden Kontakt zum SKN St. Pölten. Genauere Auskünfte zum Verfahren sind derzeit aber nicht möglich. Fest steht: Stand jetzt droht eine Verweigerung der Lizenz in erster Instanz.

Für den Fortbestand der Niederösterreicher wäre das aber noch kein finales Urteil. Sollte sich wenig später ausreichend Geld aufstellen lassen, ist eine Rettung in zweiter Instanz möglich. "Auch bei anderen Klubs war es in der Vergangenheit ähnlich", bestätigt die Bundesliga.

Suche nach Ersatz

Noch am Sonntag machte man sich in der Geschäftsstelle intensiv auf die Suche nach neuen Geldgebern.

Dass man erst vor einem Jahr in einer ähnlichen Situation steckte, ist jetzt vielleicht sogar ein Vorteil. Gebauer sieht sein Team auf einem guten Weg, eine sinnvolle Alternative zu finden. Noch ist aber viel Arbeit offen, Gespräche müssen geführt und Unterlagen erstellt werden.

Klar ist, dass es nicht um eine kurzfristige Lösung geht. "Unser Ansatz ist, langfristig zu planen. Das wollten wir ja eigentlich auch mit FC32", meint Gebauer.

Zwei Optionen

Sportlich verlief die Entwicklung zuletzt sehr positiv, die letzte Niederlage stammt aus dem November. Der Aufstieg ist zwar kein Thema mehr, gegenüber dem Vorjahr ist aber eine Steigerung zu erkennen.

Gebauer ist zwiegespalten: "Ich bin wie immer positiv, dass wir alles hinbekommen. Wir haben über das letzte Jahr einen tollen Kader auf die Beine gestellt und das Projekt hat sich gut entwickelt. Dass es jetzt in dieser Form nicht weitergeht, ist schon enttäuschend für alle."

Bei den laufenden Verhandlungen geht es laut 90minuten-Informationen konkret um zwei potenzielle Varianten: Denkbar wäre eine Partnerschaft mit einem neuen internationalen Investor. Die Verhandlungsposition für St. Pölten ist hierbei denkbar ungünstig, weil es schnell gehen muss.

Zweite Option wäre eine regionale, österreichische Lösung. Diese lag schon vor 12 Monaten auf dem Tisch, erhielt damals aber nicht den Zuschlag. Um wen genau es sich handelt, ist derzeit noch ein gut gehütetes Geheimnis. Gelingt es dem SKN, die Verhandlungen wiederaufzunehmen, wäre es wohl der einfachste Weg in Richtung Sicherheit.

FC32 vor dem Aus

Unklar ist, wie es für die Investorengruppe FC32 weitergeht. Weder in Irland noch Italien ist derzeit klar, ob auch dort der Geldhahn zugedreht werden muss.

Während das Engagement bei den Cobh Ramblers, deren Saison gerade erst begonnen hat, kleiner bemessen ist, flossen große Summen an Spezia. In italienischen Medien ist die Rede von über fünf Millionen Euro, die bereits überwiesen sind - zusätzlich seien aber bis zu acht weitere Millionen erforderlich.

Übernommen hatte FC32 Spezia laut Medienberichten von einem US-amerikanischen Eigentümer zum symbolischen Preis von einem Euro, der Verein hatte zuletzt Verluste geschrieben.


Kommentare