Geschrieben von: Michael Fiala    Freitag, den 02. Dezember 2011 um 10:48 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Rummenigge: 'Fußball muss wieder fairer und rationaler werden'
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Sportsbusiness - Fußball

IMG_1513Im Rahmen der Eröffnung des neuen TV-Senders Sky Sport News HD sprach 90minuten.at mit Karl Heinz Rummenigge,  Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München und erster Vorsitzender der European Club Association (ECA) über die aktuellen Entwicklungen im europäischen Fußball. Rummenigge fordert eine konsequente Umsetzung des Financial-Fair-Play-Konzeptes, um die Fußballwelt wieder ein Stück „fairer und rationaler“ zu machen. Über die Entwicklung von David Alaba zeigt sich der ehemalige DFB-Teamstürmer und –Kapitän zufrieden.

 

90minuten.at: Herr Rummenigge, was sind derzeit die dringendsten Probleme im europäischen Fußball, die gelöst werden müssen?

Rummenigge: Ich sehe zwei zentrale Punkte: Einerseits muss eine seriöse Umsetzung der Financial Fair Play (FFP) Regelungen garantiert werden und andererseits fehlt dem Fußball eindeutig Demokratie.

 

Welche Punkte in Bezug auf das Financial Fair Play der UEFA müssen aus Ihrer Sicht umgesetzt werden?

Die Regularien des Financial Fair Play sind ein sehr dickes Buch geworden. Doch eigentlich kann man es in einem Satz formulieren: Man darf nicht mehr Kohle ausgeben als man einnimmt. Das Financial-Doping muss endlich ein Ende haben und quasi „Waffengleichheit“ unter den Vereinen herrschen.

 

Das bedeutet, dass das Oligarchentum im Fußball aus Ihrer Sicht ein Ende haben muss?

Ich will es nicht beenden sondern es soll aus meiner Sicht in den Hintergrund gedrängt werden.

 

Worauf kommt es jetzt an?

Die Kriterien des Financial Fair Play wurden von A bis Z ausgearbeitet. Jetzt stellt sich gerade die Frage der Penaltys. Ich empfehle der UEFA dringend, dass sie an harte Bestrafungen denkt, sonst wird FFP nichts bringen. Es ist mittlerweile so, dass 63% der Profiklubs in Europa Verluste schreiben.

 

Warum schreiben so viele Vereine Verluste aus Ihrer Sicht?

Das Bosman-Urteil wurde fehlinterpretiert. Seit dem sind die Gehälter und Ablösesummen gewaltig nach oben gestiegen. Die meisten Vereine sehen zwar die Gefahr, doch niemand tritt auf die Bremse. Jetzt ist daher die UEFA in der Pflicht. Nehmen wir das Beispiel von Manchester City her. Wie soll das funktionieren, wenn man über 200 Mio. Euro Verlust schreibt? Die Arbeitsgruppe der UEFA, die gerade den Strafenkatalog des FFP ausarbeitet, ist hier gefordert, strenge Strafen festzulegen. Es gibt die Tendenz von einigen Klubs, die Bestrafungen eher milde ausfallen zu lassen. Dann können wir das Ganze gleich lassen.

 

Welche Bestrafungen sollten aus Ihrer Sicht möglich sein?

In letzter Konsequenz kann nur der Ausschluss aus den internationalen Bewerben, also die Nicht-Lizenzierung für die Europa- oder Champions-League, erfolgen.

 

Machen Sie die Bilanz-Zahlen von Manchester City wütend?

Nein, so etwas macht mich nicht wütend. Ich bin jetzt nur neugierig, wie die UEFA mit diesen Fällen umgehen wird. Das Management von Manchester City ist sympathisch und nett und sieht auch teilweise das Problem der Überschuldung. Die Frage ist, ob das Management auch so handeln darf wie eigentlich will.

 

Wurde eigentlich auch schon einmal über eine Gehaltsobergrenze, ein Salary-Cap wie man es aus den USA kennt, diskutiert?

Eine Gehaltsobergrenze ist mit den derzeitigen EU-Rahmenbedingungen nicht in Einklang zu bringen, das haben wir bereits versucht.

 

Gibt es bei den Bayern eine Gehaltsobergrenze?

Bei allem was wir tun gilt die Regel, nicht mehr auszugeben als einzunehmen. Das haben wir jetzt seit 13 Jahren konsequent geschafft. Im Übrigen sind die teuren Spieler schlussendlich die billigeren Spieler. Wir generieren mit ihnen mehr Zuschauer, mehr Sponsoren, mehr Mediencoverage, Merchandising, etc.

 

Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll, dass für den Sport ein eigenes Gesetz in gewissen Bereichen zum Tragen kommt?

Der Sport stellt eine andere Kultur und Gesetzgebung dar. Hier müssen Spezialisten darüber entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht. Ich spreche mich daher eindeutig für ein eigenes Sportgesetz aus. Das Bosman-Urteil der EU hat eindeutig gezeigt, dass in Brüssel mehr Fingerspitzengefühl notwendig ist. Dieses Urteil hat den Fußball aus den finanziellen Bahnen geworfen.

 

>>> Seite 2: Rummenigge über Österreichs Entwicklung, David Alaba und Red Bull Salzburg



 

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