U21: Spieler-Revolte vor dem PlayOff gegen Spanien?

  • Geschrieben von Michael Fiala

20161111 Oesterreich vs Spanien U21 Gepa PicturesWenige Minuten vor dem ersten, so wichtigen PlayOff-Spiel des U21-Teams gegen Spanien soll es zu einer Spielerrevolte gekommen sein. U21-Teamchef Werner Gregoritsch dementiert und verweist auf die sportlichen Erfolge. Von Michael Fiala

 

Wenige Tage vor Weihnachten wurde der Vertrag von U21-Teamchef Werner Gregoritsch unbefristet verlängert. Besonders hervorgehoben wurde dabei von ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner die sportliche Bilanz: "Es war aus sportlicher Sicht eine klare Entscheidung für eine Verlängerung. Die Bilanz von Werner Gregoritsch ist gewaltig.” In der ÖFB-Presseaussendung hieß es weiter: “Werner Gregoritsch hat sein Amt Anfang 2012 angetreten und kann eine eindrucksvolle Bilanz vorweisen. In bisher 46 Spielen stehen 28 Siege und 10 Remis nur 8 Niederlagen gegenüber. Zuletzt präsentierte sich das U21-Nationalteam unter der Regie des 58-jährigen im EM-Playoff gegen Spanien stark und verpasste die EM-Endrunde nach zwei Remis nur aufgrund der Auswärtstorregel.”

 

Spieler verlangten Änderung der Startelf
Das von Ruttensteiner angesprochene PlayOff gegen Spanien rückt jetzt wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Denn wie 90minuten.at erfahren hat, soll es wenige Minuten vor dem Match in St. Pölten am 11. November zu einer Art Spielerrevolte gekommen sein. Einige Spieler sind demnach auf Teamchef Werner Gregoritsch zugekommen und haben verlangt, dass eine Änderung in der Startelf vorgenommen werden muss. Dabei ging es um einen Spieler, der in der Startelf vorgesehen war und der Tage zuvor beim Einrücken in den Teamlehrgang disziplinär aufgefallen sein soll. Die Forderung der Spieler: Wenn dieser angesprochene Spieler in der Startelf steht, verweigern sie selbst einen Einsatz. Wenige Minuten vor dem Match wurde die Startaufstellung von Teamchef Werner Gregoritsch dann noch geändert.

 

“Dass es eine Umstellung gegeben hat, kann ich bestätigen”
“In Bezug auf den Einsatz des Spielers kann ich Ihnen keine detaillierte Antwort geben, weil ich nicht weiß, was genau abgelaufen ist. Dass es eine Umstellung gegeben hat, kann ich bestätigen. Aber den Grund kann ich nicht bestätigen. Der Zusammenhalt der Mannschaft ist ein hoher, das ist auch ein Verdienst des Werner Gregoritsch”, meinte ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner in einer ersten Reaktion im Gespräch mit 90minuten.at dazu.

 

“U21 ist die schwierigste Mannschaft”
Generell meint Ruttensteiner zum Thema U21: “Es ist die schwierigste Mannschaft. Man hat es auf der einen Seite mit Profispielern zu tun, die unglaubliche Gehälter verdienen und damit zurechtkommen müssen. Auf der anderen Seite ist ein Ausbilden einer Persönlichkeit in diesem Alter massiv. Wenn ein Erwachsener diesen Sprung in dieser Gehaltsdimension machen würde, wüsste ich nicht, wie viel Fehlverhalten es dann geben würde. Grundsätzlich gibt es auch in anderen Ländern in diesem Alter Probleme, weil diese Spieler ihre Grenzen ausloten.”

 

Weitere Nachfragen von 90minuten.at zur aktuellen Causa wollte der ÖFB-Sportdirektor in den Folgetagen jedoch nicht mehr beantworten. Von der ÖFB-Pressestelle hieß es: “Willi Ruttensteiner möchte dazu nichts mehr sagen und das unkommentiert lassen. Bitte um Verständnis”

 

“Davon kann keine Rede sein”
Werner Gregoritsch dementiert auf Anfrage von 90minuten.at den Vorfall: “Davon kann keine Rede sein. Der Lehrgang vor dem Spanien Spiel ist gut und professionell abgelaufen, es gab auch keinerlei Vorfälle oder Verfehlungen”, und verweist selbst auf die sportlichen Erfolge: “Man sollte auf die sportliche Leistung des Teams schauen. Diese U21 Team hat hervorragende Ergebnisse erzielt und Leistungen erbracht. Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn die Mannschaft nicht intakt gewesen wäre. Wenn es Verfehlungen einzelner oder mehrerer Spieler gegeben hat, so wurde das intern konsequent aufgearbeitet und ist damit erledigt. Daher wird das auch nicht weiter kommentiert.”

 

Alkohol-Schlagzeilen im Jahr 2016
Die U21 machte in diesem Jahr abseits der vom ÖFB gepriesenen, sportlichen Erfolge immer wieder Schlagzeilen durch disziplinäre Verfehlungen: So soll nach dem Spiel gegen Russland im Rahmen der Heimreise zu viel Alkohol im Spiel gewesen sein, die Abschlussfeier nach dem zweiten PlayOff in Spanien >>> endete mit Beschädigungen im Hotel. ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner verurteilte diese Vorfälle, hatte aber auch ein wenig Verständnis für die Zusammenkunft der Spieler: “Es ist in Ordnung, wenn man sich am Ende eines Jahrganges und einer Qualifikation in geselliger Runde zusammensetzt. Das verbinde ich aber nicht automatisch mit Alkohol. Wenn etwas ausufert, dann wäre das aber nicht in Ordnung”, so Ruttensteiner im Interview mit dem Kurier. Im Interview mit 90minuten.at spricht der ÖFB-Sportdirektor auch die Verantwortung der Spieler selbst an: “Wenn ich nach einer Qualifikation gemeinsam mit dem Delegationsleiter erlaube, dass sich die Mannschaft noch ein paar Stunden zusammensetzt, ist das keine Verfehlung. Die Verantwortung eines Erwachsenen ist da nicht wegzudiskutieren. Da sollten wir auch Schwerpunkte in der Ausbildung setzen, um diese Eigenverantwortung zu erhöhen.”

 

Was wäre noch möglich gewesen?

Wie sehr die Verfehlungen des U21-Teams bei den Gesprächen zur Vertragsverlängerung von Gregoritsch überhaupt noch Thema gewesen sind, ist nicht überliefert. Generell entsteht jedoch der Eindruck, dass die disziplinären Verfehlungen nicht all zu viel Gewicht gehabt haben dürften. Der ÖFB verweist durchaus zu Recht auf die Erfolge des U21-Teams. Eine Frage wird man dennoch nie mehr beantworten können: Was hätte das U21-Team erreichen können, wenn es den Vorfall in St. Pölten kurz vor dem Match nicht gegeben hätte?

 

>>> Siehe auch: Willi Ruttensteiner im 90minuten.at-Interview: 'Wir müssen in der Spielanlage mehr riskieren'

 

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