Michael Krammer: ‚Muss ich ein Hund gewesen sein, um ein guter Tierarzt zu sein?‘

  • Geschrieben von Michael Fiala

Michael Krammer Novemb 2016 Gepa PicturesIm November wurde Michael Krammer für weitere drei Jahre zum Rapid-Präsidenten gewählt. Im ausführlichen 90minuten.at-Inteview spricht der Manager über die sportliche Durststrecke, die bewusst in Kauf genommene Kritik in Sachen Liga-Solidarität, warum er künftig bei Personalentscheidungen etwas genauer hinsehen wird und warum ein guter Tierarzt früher kein Hund gewesen sein muss. Das Gespräch führte Michael Fiala

 

90minuten.at: Vor wenigen Tagen wurde Fredy Bickel der Öffentlichkeit vorgestellt. Rapid hat sich wieder für einen international erfahrenen Sportdirektor entschieden. Vielleicht können sie kurz zurückblicken, wie sind Sie auf Bickel gekommen?
Michael Krammer: Wir haben unsere Kriterien, die wir bei der Bestellung von Andreas Müller gehabt haben, noch einmal mit den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre nachgeschärft, um auch den künftigen Schwerpunkten für die kommenden drei Jahre wie etwa Nachwuchsarbeit, Trainingszentrum Gestaltung und auch die wirtschaftliche Co-Verantwortung der SK Rapid GmbH zu entsprechen. Eine Bestellung des Sportdirektors gestaltet sich ja ähnlich transparent wie jene eines Trainers. Es gibt Datenbanken, Medienberichterstattung, etc. Wir haben Experten im Team, die die Suche beginnen, teilen dann in zwei Gruppen, jene mit Vertrag und ohne Vertrag. So nähert man sich an eine Liste von rund fünf Kandidaten an. Dann gab es die ersten Telefoninterviews und drei kamen ins Finale. Diese drei mussten sich erstmals auch einem Persönlichkeitstest unterziehen, der von einem Personalberater durchgeführt wurde. Erst dann kam es zu den persönlichen Hearings.

 

War Fredy Bickel auch ihr persönlicher Favorit?
Ich kann sagen, dass der Personalausschuss, der um ein paar externe Persönlichkeiten angereichert wurde mit einem Personalberater oder auch beispielsweise unserem ehemaligen Präsidenten Günther Kaltenbrunner, der auch Trainer und Spieler war, sowie unserem Vorsitzenden des Beirates der SK Rapid GmbH, Robert Grüneis, und Kuratoriumsvorsitzenden Dietmar Hoscher Fredy Bickel einstimmig beschlossen hat.

 

Bislang gab es eine Spielphilosophie, die verfolgt wurde: Stichwort durchgängiges 4-3-3-System. Fredy Bickel sagte bei seiner Vorstellung: Das wird überbewertet. Er will dem Trainer nicht vorschreiben wie er spielen soll. Ist das damit die Abkehr einer einheitlichen Spielphilosophie?
Die Philosophie ist klar: wir wollen offensiv und dominant spielen. Ein starres Spielsystem hat auch Rapid sehr ausrechenbar gemacht. Ich kenne keinen Topverein, der ein Spielsystem in jeder Phase durchzieht. Kurz gesagt: Spielphilosophie ja, ein starres Spielsystem aber nein.

 

Ging es beim Hearing auch immer schon um konkrete Pläne? Was hat Herr Bickel präsentiert, was für Rapid eventuell auch neu war?
Es gibt einige Dinge, die er eingebracht hat im Hearing. Das Herausziehen von außergewöhnlichen Persönlichkeiten und diese speziell zu betreuen ist etwa ein Thema, über das ich jetzt aber noch nicht so viel sprechen möchte. Das war sehr interessant. Auch in der Schweiz hatte Fredy Bickel ähnliche Voraussetzungen, dass es mit Basel einen Verein gibt, der finanziell weit über den anderen liegt, aber die Young Boys der Topmagnet für die Talente des Landes waren. Das war sehr interessant, wie man das macht, auch wenn man nicht das größte Budget hat.

 

Inwiefern waren die finanziellen Rahmenbedingungen von Rapid im Rahmen der Bickel-Bestellung ein Thema? In der Schweiz hatte Bickel durchaus gute Arbeit geleistet, aber auch immer wieder das notwendige Budget dafür zur Verfügung gestellt bekommen.
Wir haben das detailliert besprochen. Bei den Young Boys gab es oft auch das OK von Investoren, die vielleicht ein Zusatzbudget zur Verfügung gestellt haben. Bei uns ist das anders, wir wissen was wir investieren können und was nicht. Das haben wir auch klar kommuniziert. Wir budgetieren mit einem ausgeglichen Ergebnis aus dem nationalen Bewerb, sollten dann zusätzliche Einnahmen aus der Qualifikation für einen internationalen Bewerb möglich sein, kann und wird man darüber reden, wie dieses Geld eingesetzt wird.

 

Die Reihenfolge der Bestellung, zuerst Trainer, dann Sportdirektor war eher unüblich. Inwiefern war es auch ein Thema, ob der Sportdirektor zum Trainer passt?
Es ist nicht ganz unüblich, wie am Beispiel Franco Foda und Günter Kreissl ersichtlich ist.

 

.. aber in so kurzem Abstand ist es doch eher ungewöhnlich. Es hätte auch der Plan sein können, einen Interimstrainer zu installieren, dann den Sportdirektor, der sich dann einen neuen Trainer sucht, der durchaus dann auch Damir Canadi hätte heißen können?
Das wäre eine Möglichkeit gewesen, wir haben uns aber dagegen entschieden, weil die Lage so angespannt war. Daher wollten wir nicht mit einem Interimstrainer weitermachen und dann noch eine Veränderung in Kauf nehmen müssen, wenn dann endgültig der neue Trainer kommt.

 

Zurück zur Ursprungsfrage: Inwiefern war es ein Thema, ob der Sportdirektor auch zum neuen Trainer Damir Canadi passt?
Wir haben, Damir Canadi bereits kennend, versucht, dies über den Persönlichkeitstest auszuloten. Man nimmt idealerweise nicht jemanden, der genauso ist, sonst sprühen die Funken.

 

Es hatte also einen Einfluss auf die Wahl des Sportdirektors, dass Rapid einen Trainer bereits gehabt hat. Sonst hätte man evtl. das eine oder andere Kriterium anders gewichtet?
Man hätte in der Persönlichkeitsauswahl vielleicht andere Schwerpunkte gewählt. Es ist aber so oder so wichtig, dass man als Sportdirektor oder Geschäftsführer Sport diese Persönlichkeitsmerkmale hat, die Fredy Bickel mitbringt, unabhängig davon, wer gerade Trainer ist.

 

Sie haben jetzt innerhalb von wenigen Wochen zwei der wichtigsten Personalentscheidungen getroffen, die es im Klub gibt und übernehmen damit auch die volle Verantwortung, wenn dies nicht klappen sollte, mehr als es bisher war? Die Frage stelle ich auch deswegen, weil Sie im Fall von Mike Büskens gemeint haben, dass dieser Trainer damals von Andreas Müller als alternativlos präsentiert wurde? Es wirkt so, als würden Sie für Mike Büskens nicht die Verantwortung übernehmen wollen als Präsident.
Andreas Müller war auch eine Entscheidung des Präsidiums mit mir an der Spitze, insofern ändert sich da nicht viel. Die Trainerentscheidung ist die Verantwortung des Geschäftsführers Sport, das werde ich auch in Zukunft so halten. Natürlich wird die Entscheidung dem Präsidium vorgelegt, um das abzusegnen. Aber dort, wo die Kompetenz liegt, liegt auch die Verantwortung.

 

Muss ich ein Hund gewesen sein, um ein guter Tierarzt zu sein?

 

Aber ist das Ganze auch eine Lehre aus der Büskens-Müller-Freistellung? Büskens wurde laut Ihrer Aussage als Alternativlos präsentiert, das war wohl auch einer der Hauptgründe, warum Müller gehen musste. Wird man diese Entscheidungen künftig stärker hinterfragen als bisher?
Definitiv. Das war schon auch ein Lerneffekt aus der Trainerauswahl, die im Juni Mike Büskens zu uns brachte.

 

Oft wird von Ihnen der Personalausschuss zitiert, der Trainer und Sportdirektor bestellt hat. Wer sitzt da eigentlich konkret drinnen? Auf den offiziellen Seiten ist dazu nichts zu finden?
Der Personalausschuss besteht von Präsidiumsseite aus Martin Bruckner, Gerhard Höckner und mir. Dazu kamen in diesem Fall der Günther Kaltenbrunner, der die Sport-Insight mitbringt, Christoph Peschek und der Vorsitzende des Beirats der SK Rapid GmbH, Robert Grüneis.

 

Aber haben Sie nicht die Befürchtung, dass dieser Personalausschuss zu wenig Sportkompetenz besitzt, um derart wichtige Entscheidungen wie die Auswahl des Trainers oder Sportdirektors zu treffen?

Ich habe mir das schon oft überlegt: Was ist die zusätzliche Qualifikation von jemanden, der früher selber Profi-Fußball gespielt hat, bei der Personalentscheidung zu einem Sportdirektor? Muss ich ein Hund gewesen sein, um ein guter Tierarzt zu sein? Ich habe Spezialtechniker eingestellt, aber ich bin kein Techniker. Man kann Kriterien so abstrahieren und festlegen, dass man diese Personen sehr wohl qualifiziert aussuchen kann. Sowohl bei Trainer und Sportdirektor sind die Kriterien so transparent wie bei kaum einem anderen Job. Ich könnte mir keine Person vorstellen, die selber Fußball gespielt hat, die uns da entscheidend weiterhelfen hätte können.

 

>>> Seite 2 – Krammer: ‚Es wird künftig nur noch so viele Legionäre geben, wie es der Österreicher-Topf vorsieht‘

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