Donnerstag, den 05. August 2010 um 09:50 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Der ORF und das Sturm-Problem
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Blog - Ö-Bundesliga

Wie schon gestern an dieser Stelle berichtet (ORF bekommt keine Übertragungsrechte für Sturm-Spiel?), wird der ORF keine Live-Bilder vom Rückspiel zwischen Dinamo Tiflis und Sturm Graz bringen. 90minuten hat beim ORF nachgefragt, da die Begründung, die in der kleinen Zeitung abgedruckt wurde, nicht wirklich Sinn macht. Markus Wibmer vom ORF schickte 90minuten auf Nachfrage folgendes Statement:

Dem ORF wurden Rechte angeboten. Im Zuge der Verhandlungen stellte sich – sehr spät – heraus, dass der Anbieter die Übertragungsrechte für das Europa-League-Spiel zwischen Tiflis und Sturm Graz gar nicht hatte. In der Kleinen Zeitung erklärt Michael Berger vom ORF-Sport zum weiteren Prozedere: „Und der zweite Rechteinhaber hielt uns dann lange hin, wollte auch nicht wegen der Beginnzeit verhandeln – und so haben wir uns dann auf ein vertretbares Paket für News- und Highlight-Berichterstattung geeinigt“. Das heißt: Sturm wird nicht live zu sehen sein, dafür gibt es Szenen in „Bundesland heute“ und im aktuellen Sport – und vor dem Spiel der Wiener Austria eine Zusammenfassung. „Und um eins klarzustellen: Wir hätten das auch bei den Wiener Vereinen nicht anders gemacht“, sagt Berger.

 

„Ging es also um die Beginnzeit oder nicht?“

Diese Frage stellten wir dann Wibmer persönlich am Telefon. Seine Antwort: „Natürlich hätte der ORF eine frühere Beginnzeit, also um 18:00, bevorzugt. Doch der ORF kam nicht wirklich dazu, über die Beginnzeit zu verhandeln. Der zweite Rechteinhaber pokerte und hielt den ORF so lange hin, dass wir dann nicht mehr rechtzeitig – den Kriterien einer verlässlichen Programmplanung entsprechend – eine Live-Übertragung fixieren konnten. Daher haben wir uns dann leider nur die Rechte für die Highlights- und News-Berichterstattung sichern können.“

Professionelles Verhandeln?

Eines muss man den ORF jedoch schon fragen: Warum verhandelt der ORF überhaupt mit dem falschen Rechteinhaber? Diese Frage konnte Wibmer auch nicht schlüssig beantworten. Mag sein, dass dies bei den Wiener Vereinen genau gleich gelaufen wäre, vielleicht aber auch nicht. Ein saurer Beigeschmack bleibt jedenfalls bestehen.

 

Update: ORF-Sportchef Hans Peter Trost klärte uns wenige Minuten später auf und schilderte folgendes Szenario:

 

Es gibt kaum mehr einen Verein, der nicht durch irgendwelche Agenturen vertreten wird. Da die Vermarktung der Qualifikationsphase nicht über die UEFA zentral läuft, muss sich der Sender diesen Ansprechpartner selbst suchen. Kurz nach der Auslosung zur aktuellen Quali-Runde meldete sich eine deutsche Agentur (in Folge Agentur 1 genannt) und wollte die Rechte für alle drei Auswärts-Partien (Austria, Rapid, Sturm) verkaufen. Der ORF stieg in diese Verhandlungen ein und gab auch die gewünschten Anstoßzeiten bekannt. Bei Sturm war von Beginn an das Problem, dass ein Beginn um 18:30 nicht mit dem Programm-Schema des ORF vereinbar ist. Da geht es einerseits darum, dass eine mögliche Verlängerung eine Überschneidung mit dem Austria-Match ergeben hätte, und andererseits, dass fix gebuchte Werbekunden und Sendungen (wie etwa Zib 20) hätten ausfallen müssen. Daher haben wir eine Beginnzeit von 18:00/18:15 bzw. 20:30 MeZ vorgeschlagen. Agentur1 sagte zu, diese mit dem Verein zu verhandeln. Nach einiger Zeit kam plötzlich eine zweite Agentur (in Folge Agentur 2) genannt auf den ORF zu und sagte, dass man die Rechte für das Spiel zwischen Tiflis und Sturm besitze. Der ORF reagierte sofort und fragte bei Agentur 1 nach, die dem ORF kurz und knapp mitteilte: "Ja, sorry, wir haben doch nicht die Rechte für das Sturm-Spiel". Also musste der ORF mit Agentur 2 für das Sturm-Spiel verhandeln. Der ORF übermittelte Agentur 2 die Vorstellungen und die unbedingte Bereitschaft, das Sturm-Spiel live zu zeigen. Agentur 2 meinte jedoch, dass sie auch mit anderen österreichischen Sendern verhandelt und daher noch kein Vertragsabschluss zustande kommen kann. Der ORF sollte bis Dienstag-Abend die Info bekommen, ob der ORF zum Zug kommt oder ein anderer Sender. Mittwoch zu Mittag (also gestern) kam dann das Angebot, die Zusammenfassung bzw. Highlights-Rechte für das Sturm spiel zu erwerben. Eine Verschiebung auf 18:15 bzw. 18:30 wurde kategorisch abgelehnt. Daher blieb dem ORF nichts anderes übrig, als zumindest diese Highlight-Rechte zu erwerben und auf das Live-Spiel zu verzichten. Eine Übertragung um 18:30 war für den ORF keine Option, das wäre bei Rapid oder Austria das gleiche gewesen.






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